Mit freundlicher Genehmigung von Wilfried Raatz (DLV-Crosslauf-Beauftragter - Redaktion wus-media
Liebe Leser!
Stellen Sie sich vor, der Deutsche Fußball-Bund streicht die erste und zweite Bundesliga,
lässt die Fußballer nur noch regional kicken, vor einer Handvoll Zuschauern.
Rudi Völlers Truppe trifft sich dann und wann, um gegen Island oder Malta einen lockeren
Kick zu machen. Spiele gegen Brasilien und England werden wegen Perspektivlosigkeit nicht
in den Terminkalender mehr aufgenommen. Das öffentliche Interesse dürfte dann kaum größer
sein als das präsentierte Niveau. Die Medien werden den Abgesang der Spielkultur in
Deutschland beklagen, wehmütige Erinnerungen an die Weltmeistermannschaften früherer
Tage bleiben.
Fantasy pur. Anders im Deutschen Leichtathletik-Verband.
Der Deutsche Cross-Cup, eine durch Privatinitiative über mehrere Jahre hinweg am Leben
gehaltene Veranstaltungsserie von Gleichgesinnten in Darmstadt, Köln und Leverkusen,
Walldorf/ Baden und Neuss, gehört der Vergangenheit an. Die Organisatoren haben mit
Ausnahme der Darmstädter das Handtuch geworfen. Die ambitionierten Läufer bleiben auf
der Strecke, sie können nun auf eher regionalen Veranstaltungen im Schongang von Sieg
zu Sieg laufen und sich im vermeindlichen Erfolg sonnen. Der Vergleich der Besten findet
künftig selten bis niemals statt. Wir werden ein Läufervolk der "local heroes" sein, das
sich per Diktat nicht mehr getrauen wird, bei Welt- und Europameisterschaften der
internationalen Konkurrenz zu stellen....
Kein gutes Omen für die deutsche Laufszene
Aus für den Deutschen Cross-Cup!
2003 wird in die Geschichte des Deutschen Leichtathletik-Verbandes als ein Jahr der Enttäuschungen eingehen.
Die WM in Paris brachten nicht das erwartete Medaillenresultat, die Leistungseinbrüche
in zahlreichen Disziplinen spiegeln sich ebenso in den Welt- und Europa-Ranglisten wider.
Auf nationaler Ebene ist das Niveau auffällig - im Abwärtstrend.
Dies gilt freilich (oder aber vorrangig?) für den Laufbereich.
Die Langstreckenmeisterschaften im Dante-Stadion in München hatten nicht zuletzt
durch die unmittelbare Friedhofsnähe schon etwas von Trauer, die Laufwettbewerbe im
Ulmer Donaustadion setzten den Niedergang in erschreckender Weise fort.
Die Straßenszene der Freizeit- und Hobbyläufer boomt - nur die deutsche Leistungsspitze
hinkt bedenklich dieser Entwicklung hinterher.
Zu "guter" (?) Letzt hat sich nun auch noch kurz vor Saisonbeginn der
Deutsche Cross-Cup sang- und klanglos verabschiedet, das letzte starke Bindeglied
in der Entwicklung und Förderung der deutschen Laufszene im Jahreszyklus.
Die SG Walldorf Astoria kann/ will aus finanziellen und organisatorischen Gründen
ebenso nicht mehr wie die Veranstaltergemeinschaften in Neuss und Köln/ Leverkusen.
Bleibt alleine noch der ASC Darmstadt mit dem Darmstadt-Cross als "Fähnlein der Aufrechten"
, der seit Jahren mit dem idealen Crossparcours auf der Lichtwiese unweit
des ehrwürdigen Hochschulstadions als eine der ersten Adressen national gilt.
Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Dabei kommt das Aus im Cross-Cup ein Jahr früher als befürchtet. Eine Planungssicherheit sah der DLV-Cross-Beauftragte Wilfried Raatz im Verbund mit dem AG Lauf-Vorsitzenden Otto Klappert seit der vom DLV-Verbandsrat in einer Nacht- und Nebel-Aktion eigenmächtig vorangetriebenen Verlegung der deutschen Crossmeisterschaften 2004 auf das letzte November-Wochenende längst nicht mehr. Die Durchführung der Cross-Serie in der bislang gewohnt kompakten Form im November und Dezember wird schon alleine wegen der Cross-DM Ende November und der in letzter Konsequenz zwei Wochen zuvor partiell geplanten Landesmeisterschaften nicht mehr möglich werden. Eine Veranstaltungsreihe im Februar und März scheiterte an anders gelagerter Orientierung so mancher Organisatoren. "Das gibt alles keinen Sinn mehr", sagt Wilfried Raatz und weiß sich als Veranstalter des Darmstadt-Cross weitgehend alleine auf weiter Flur. "Natürlich werde ich die Hoffnung nicht aufgeben. Vielleicht gibt es mit Kurt Ring in Regensburg schon bald einen Neuanfang....".
Ein Blick zurück in die bewegte kurze Geschichte des Deutschen Cross-Cup:
- 1995 startete man unter dem Titel ASICS-/ DLV-Cropss-Cup mit Wettbewerben in
Berlin, Waiblingen und Neuss. Der angesehene Darmstadt-Cross musste aufgrund von
Sportausrüster-Verpflichtungen draußen bleiben. "Damit haben wir nicht nur den Grundstock
für eine Cross-Entwicklung in Deutschland, sondern wohl in erster Linie eine
Weiterentwicklung des Laufbereiches über den Cross angelegt" freute sich Lothar Hirsch
als Teamleiter Lauf über das belebende Serien-Modell. Diese drei Veranstaltungsorte standen
auch im Folgejahr parat als Anschub für den Laufbereich.
- Nach dem über den DLV-Generalausrüster adidas angestrengten Engagementsverzicht von ASICS erlebte die Querfeldeinserie 1997 eine Neuauflage als Deutscher Cross-Cup mit den Veranstaltern in Darmstadt, Neuss, Köln/ Leverkusen und Herxheim. 1998 wurde das Finale nach den Wettbewerben in Köln/ Leverkusen, Darmstadt und Neuss spektakulär auf dem Hockenheimring ausgetragen. Allerdings nicht mit dem Erfolg, den sich Sponsor Nike seinerzeit erhofft hatte.
- 1999 wurde der Deutsche Cross-Cup auf sechs Veranstaltungen erweitert, erstmals integriert neben den Wettbewerben in Berlin, Köln/ Leverkusen, Darmstadt, Neuss und Bonn auch die deutschen Titelkämpfe in Süchteln/ Viersen.
- Aufgrund der Auswertungsprobleme, die sich mit einer Serie über den kalendarischen Jahreswechsel hinaus ergeben hatte, wurde 2000 der Rhythmus geändert. Im Folgejahr stellte sich mit dem Rennbahncross in Walldorf/ Baden ein neuer Veranstalter Im Deutschen Cross-Cup vor, dafür verabschiedete sich mit dem Berliner Cross die "Mutter der deutschen Volksläufe". Der Wechsel vom traditionsreichen Gelände am Teufelsberg auf das Maifeld am Olympiastadion hatte einen bedenklichen Teilnehmerrückgang zur Folge. Auch nach der Revidierung dieses Standortwechsels 2002 soll der Berliner Cross allerdings eher eine regionale Veranstaltung sein. Höhere Ansprüche ausgeschlossen.
- Nachdem die Neusser Organisatorengemeinschaft trotz erheblicher (finanzieller und organisatorischer) Anstrengungen keine Rückendeckung beim DLV sahen, strich man kurzerhand das Cross-Engagement gänzlich. Walldorf und Köln folgten aus allerdings unterschiedlichen Beweggründen. Die Konsequenz liegt nun auf der Hand: Knock-out für den Deutschen Cross-Cup!
Die deutschen (crossorientierten) Läufer bleiben damit auf der Strecke.
Attraktive Veranstaltungen werden damit mehr denn je zu einer Rarität.
Kontraproduktiv wirkt zudem die Äußerung des kurzfristig von DLV-Teamleiter Hirsch
eingesetzten früheren Cross-Ass Detlef Uhlemann als Cross-Betreuer, als dieser verstärkte "
internationale Starts" ankündigte.
Schließlich habe man 2004 die Europameisterschaft im eigenen Lande. Hier stellt sich schon heute allerdings die Frage: Wer bezahlt die Zeche? Anstrengungen bislang engagierter Veranstalter wie der im Deutschen Cross-Cup müssen dabei wohl auf der Strecke bleiben....
Punktestand Deutscher Cross-Cup 2002:
Die Punktestände sind von Wilfried Raatz ausgewertet worden und werden hier mit seiner freundlichen Genehmigung publiziert.